Was macht ein klar denkender Mensch mit zertifiziert exzellenter Ausbildung in Form eines Abschlusses der französischen Elitehochschule ENA, der erklären soll, wie Rezepte zur Belebung der alles andere als rund laufenden französischen Wirtschaft aussehen könnten; und das ohne den erfahrungsgemäß gegen neoliberale Konzepte allergischen französischen Wähler zu verprellen, der eine gute Bekannte und politische Weggefährtin des besagten Menschen zur nächsten Präsidentin Frankreichs wählen soll? Die FAZ nahm sich Michel Sapin, seines Zeichens Berater von Segolene Royal, ehemaliger Finanzminister und Schlaukopf, vor und befragte ihn zu Wirtschaftsfragen. Zuletzt tat sich Sapin mit der Forderung nach einer europäischen Wirtschaftsregierung hervor. Kleine Kostprobe:
Ségolène Royal will die 35-Stunden-Woche auch auf die kleinen Unternehmen ausweiten, die jetzt teilweise noch davon ausgenommen sind. Ist das nicht eine Gefahr für sie?
Ich kann verstehen, dass einige kleine Unternehmen höhere Kosten befürchten. Ich kenne aber auch viele, die sich fragen, wie sie ihre Beschäftigten halten sollen, wenn größere Unternehmen bessere Konditionen bieten.
Freiwillig mehr zu bieten, verbietet ihnen ja keiner.
Sicherlich, dennoch ist das Gefühl weit verbreitet. [...]
Auf die Idee, einfach die 35-Stunden-Woche aus dem Gesetz zu streichen kommt er natürlich nicht. Sehr lesenswert jedenfalls.

