Hotel Villa de Art

Inseln der Qualität

April 27, 2008 · No Comments

… seien die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland,sagte der in Personalunion regierende rheinland-pfälzische Ministerpräsident, SPD-Chef und Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck. Derlei stimmt mit dem Selbstverständnis der Intendanten überein, wird aber die FAZ eher kritisch gesehen.

Die „Insel“, darf man folgern, sind ARD und ZDF, alle anderen - private Sender, Verlage, Zeitschriften, Zeitungen, Online-Dienste - sind das Meer. Und zwar eines, auf dem allein solche segeln, die lediglich „Milliarden umsetzen“ wollen und sonst gar nichts, wie es bei der ARD zuletzt hieß.

[...]

Mit derlei Kampffloskeln beweisen die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur eines: dass sie in der Lage sind, ihr Machtinteresse, das sie fälschlicherweise als Gemeinwohl ausgeben, mit den Mitteln der politischen Kampagne durchzusetzen und die Ziele anderer übel zu beleumunden. Sie bezeugen ein seltsames Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit.

Da klingt etwas Bitterkeit mit. Bitterkeit, die man durchaus nachvollziehen kann, denn der deutsche öffentliche Rundfunk widmet sich schon lange nicht mehr nur dem Rundfunk.

Das Medium der Stunde ist das Internet. Auch dort, so das Selbstverständnis von ARD und ZDF muß es gestattet sein, die Öffentlichkeit ungetrübt von Umsatzgier mit klarster Information zu versorgen. Und mit Unterhaltung. Und Kultur. Und Bildung. Nur dort, wo sie sind, so scheint es, wird der Bürger mit Qualität versorgt.

Daß die FAZ ausgerechnet sich von gar-nicht-so-unabhängigen Intendanten, die auf ihren Pfründen sitzen die die Glucke auf dem Nest, vorwerfen lassen muß, “nur Milliarden scheffeln” zu wollen, ist der Hohn. In der Tat ist es mit der Umsetzung der hehren Ziele der Anfangszeit nicht mehr weit her. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde die ARD von den Aliierten als Gegenmodell zum propagandistischen Reichsrundfunk installiert. Eine föderale Struktur sollte sicherstellen, daß keine Regierung mehr die Nachrichtenversorgung behindert oder verwässert oder propagandistisch manipuliert.

Und die Ossis durften gleich mit in den Genuß kommen (ARD - Außer Rügen und Dresden, wie man damals in der DDR witzelte, die “Täler der Ahnungslosen”). Das ging ziemlich lange gut. Aber dann kamen die Privaten und das ritterliche Selbstbild der Öffentlichen verlangt offenbar, daß man jedem Privatangebot mindestens ein eigenes entgegenstellt.

Das alte Vorbild, die BBC, hat der der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk aber monetär schon lange in den Schatten gestellt. Ganze anderthalb Milliarden Euro teurer ist unsere Qualitätsversorgung als die ebenfalls heftig als Krake kritisierte “Alte Tante”.

Ob alles an dieser Qualitätsversorgung aber auch als Qualität liefert, darf wohl bezweifelt werden. Das meiste könnte man wohl zusammenstreichen, ohne daß sich irgendjemand unterversorgt fühlen würde. Das ist meine Meinung, aber andere sehen das ähnlich.

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