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Dollardiplomatie im Pazifik

Mai 4, 2008 · 2 Comments

Taiwan und China liefern sich einen bizarren Wettlauf um diplomatische Anerkennung durch die Mini-Inselstaaten im Pazifischen Ozean. Für die Chinesen sind (neben dem Hauptziel die Taiwaner diplomatisch zu isolieren) auch noch die Bodenschätze in der Region interessant. Die Inselstaaten erteilen die diplomatische Anerkennung dann natürlich entsprechend der Größe des Sportstadions oder des neuen Parlamentsgebäudes, das sie für ihren Wechsel bekommen. Und man kann ja auch öfter wechseln. Beim Versuch Papua Neu-Guinea mal wieder zur diplomatischen Anerkennung Taiwans zu bewegen (PNG erkannte Taiwan 1999 für ganze drei Tage diplomatisch an und beendete die Anerkennung nach dem Erhalt taiwanischer “Finanzhilfen” und einem Regierungswechsel sofort wieder) verschwanden nun 30 Millionen US-Dollar. Das taiwanische Außenministerium hatte zwei Privatleuten das Geld anvertraut, nachdem diese versichert hatten mit PNG einen Deal zur erneuten Aufnahme diplomatischer Beziehungen aushandeln zu können. Jetzt sind 30 Millionen Dollar taiwanischer Steuergelder futsch, einer der beiden “Amateurdiplomaten” ist mysteriöserweise verschwunden (er wurde angeblich in Shanghai gesehen) und der taiwanische Außenminister ist (zu Recht) beschämt. Wenn seine Regierung in ein paar Tagen nicht sowieso aus dem Amt scheiden würde, müsste er wohl mit seiner Entlassung rechnen.

Anstatt die Steuergelder ihrer Bürger so fahrlässig an pazifische Pseudostaaten zu verschleudern, sollten sich taiwanische Regierungen wohl besser in Imagekampagnen im Westen (Soft Power, als Demokratie hat Taiwan hier einen Vorteil gegenüber dem autokratischen, Tibeter-unterdrückenden China), die Förderung der taiwanischen Tourismusbranche und die Modernisierung des taiwanischen Militärs stecken (angesichts der wachsenden kommunistischen Bedrohung). Dann würde man sich auch solche Peinlichkeiten ersparen die allenfalls einer Bananenrepublik würdig sind, und nicht einer jungen und wohlhabenden Demokratie wie Taiwan.  

Categories: China · Diplomatie · Pazifik · Politik · Spott · Taiwan

2 responses so far ↓

  • Bernd Dahlenburg // Mai 4, 2008 at 10:45

    Sehr interessanter Beitrag,

    in Zukunft wird sowieso mehr und mehr auch zu untersuchen sein, welche Rolle China darüber hinaus im Konflikt mit dem Iran spielt.

    Hier zeichnet sich immer mehr eine “strategische Zusammenarbeit” Chinas mit Russland ab, weil beide Mächte den USA den Rang der führenden Weltmacht streitig machen wollen.

    Wenn sie das betreiben und gleichzeitig demoktatische Entwicklungen in ihren Ländern zuließen, könnte man gegen einen Wettstreit um die stärkste demokratische Macht nichts einwenden, weil dann die Allianzen zum Vorteil von Freiheit und Demokratie zusammen mit den USA, Europa und Israel geschmiedet werden würden.

    Nach heutiger Sachlage muss man allerdings davon ausgehen, dass in Russland eine Re-Sowjetisierung stattfindet und Chinas Hegemonialstreben eine innerstaatliche Demokratisierung nicht zulassen wird. Zumindest auf absehbare Zeit nicht.

    Noch einmal zu Russland: Was Putins Nachfolger bewirken will oder kann, muss sich erst noch herausstellen, weil man auch ihm (im positivsten Falle) eine emanzipatorische Abkapselung von Putin evtl. zutrauen kann - wenn er denn will.

    Beste Grüße
    Bernd

  • mrpresident // Mai 5, 2008 at 8:13

    @ Bernd: Eine ausführliche Darstellung der chinesischen Waffen- und Waffentechnologielieferungen an den Iran findet sich in “Rising Star - China’s New Security Diplomacy” von Bates Gill (Brookings Institution Press, Washington D.C., 2007). Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Chinesen Ende der 90er die Unterstützung des iranischen Atomprogramms praktisch eingestellt haben, da chinesische Firmen von den USA mit massiven Sanktionen belegt wurden. Es gibt aber trotzdem immer wieder Hinweise, dass chinesische Firmen noch vereinzelt Nuklear- oder Waffentechnologie an den Iran liefern. Insgesamt möchten die Chinesen aber eine offene Konfrontation mit den USA vermeiden, zumindest solange, bis sie stark genug sind. China strebt derzeit weniger nach Hegemonie, als vielmehr nach einem Kräftegleichgewicht mit den USA, um seine territorialen Ansprüche auf Taiwan und im Südchinesischen Meer durchsetzen zu können. Was sie langfristig planen ist eher unklar.

    Die Beziehungen zu Russland haben sich tatsächlich deutlich verbessert, auch durch die Zusammenarbeit in der Shanghai Cooperation Organization. Aber es gibt auch noch genügend zwischenstaatliche Probleme und die Chinesen binden sich nur ungern in festen Allianzen.

    Auf eine baldige Demokratisierung Chinas würde ich derzeit nicht setzen (genausowenig wie in Russland, zumal Putin ja nicht wirklich verschwinden wird). Die instabile innenpolitische Lage in Chinas macht es auch sehr schwierig, die chinesische Außenpolitik richtig einzuschätzen. Vieles hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, durch die sich die Kommunistische Partei legitimiert. Fällt diese weg, dann bleibt nur noch der in letzter Zeit stark geförderte Han-Nationalismus.

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