Ist Ihnen, als vielfach ausgezeichneter kritischen Journalistin, nicht in den Sinn gekommen, dass Rückständigkeitsschwärmerei immer von denen ventiliert wird, die die Taschen voller Cash haben und nach zwei Wochen wieder in ihre Komfortzonen zurückkehren, und eher selten von denen, die dort leben? Und dass ein Lob dieser durch Korruption und Nepotismus und Misswirtschaft von den Herrschenden verursachten Armut zynisch ist?
Matthias Matussek (den ich meistens nur bedingt schätze) überfährt bei SPON seine Kollegin Alice Schwarzer mit der rhetorischen Dampfwalze. Wer ihren Artikel zur Zyklon-Katastrophe in Burma gelesen hat (und wem der derzeitige Kulturelativismus- und Äquidistanzen-Zyklon das Gehirn noch nicht aus dem Kopf gepustet hat), der wird genauso wütend sein wie Herr Matussek.
Fräulein Frau Schwarzer “war nämlich schon mehrfach da”. Dies wird durch ein wundervolles Ferienfoto mit Frau Schwarzer, einheimischen Wilden und einer Tempelanlage verdeutlicht. Das wiederum qualifiziert dann anscheinend auch für das Schreiben eines wahnsinnig unqualifizierten Beitrags zum Thema. Die Militärjunta sei gar nicht so schlimm (Ausländer können sich ja relativ frei bewegen). Und das mit dem Taifun (oder Zyklon, darauf kommts bei dem Artikel auch nicht mehr an) sei ja so auch ganz ok gewesen. Denn die Junta ist zwar dazu in der Lage die Bevölkerung umfangreich zu überwachen und auszuspionieren, aber “Wie hätten sie [die Bevölkerung] gewarnt werden sollen vor dem Taifun?” Das sei ja in New Orleans genauso gewesen. Tage, Monate, ist ja eh alles dasselbe mittlerweile.
Außerdem ist die ganze Kritik an der burmesischen Reaktion auf die Naturkatastrophe sowieso nur von der CIA konstruiert (CIA, NED, Reagan, ist ja sowieso alles gleich):
Nämlich dass die private amerikanische Organisation NED, der allein im Jahr 2006 vom amerikanischen Kongress 23 Millionen Dollar zugeschustert wurden, ihr Handbuch „From Dictatorship to Democracy“ nicht nur auf Weißrussisch (Ukraine) und Tibetisch (!) verlegt, sondern auch auf Burmesisch. War das die Lektüre der im September 2007 protestierenden burmesischen Mönche – inklusive der „Mönche auf Zeit“, wie es jeder Burmese jederzeit sein kann? NED wurde 1983 von Präsident Reagan initiiert, und der erste Chef der Organisation, der uns als Hardliner bestens bekannte Allen Weinstein, gestand jüngst unumwunden: „Vieles von dem, was wir (vom NED) heute tun, erledigte vor 25 Jahren noch insgeheim die CIA.“
Ach so. Dann hat die Militärjunta ja doch Recht, wenn sie ihre notleidende Bevölkerung nicht mit Hilfslieferungen versorgt. Von der CIA würde ich auch nix annehmen. Vorher würde ich lieber elendig verhungern.
Neben der CIA ist natürlich auch der Kolonialismus für das Leid in Burma verantwortlich:
Der Ex-Kolonialherr liegt schon lange auf der Lauer. Und es gibt wenige Stimmen auf dieser Welt, die ich in Sachen Burma für befangener halte als den britischen Premierminister Brown und seine „Burma Campaign“, die einen totalen ökonomischen Boykott und die Intervention des Westens in Burma fordern.
Wie schon in Simbabwe. Wohlwollende Dikaturen scheitern an den Folgeproblemen des Kolonialismus. Obwohl sie ihr Bestes geben. Ein Jammer!
Doch habe ich nie Hunger oder wirkliches Elend gesehen – wenn auch Armut und einen ganz anderen Lebensstandard, als wir es gewöhnt sind.
Vielleicht sollte sich Alice Schwarzer eine Brille anschaffen.
Doch ich gehöre zu der Politgeneration, die gelernt hat, auch das kleinere Übel zu schätzen.
Weil Sie nicht in Burma leben. Oder in Simbabwe. Oder in Nordkorea. Die Bundesrepublik Deutschland ist nicht das kleinere Übel, in vielfacher Hinsicht ist sie das Paradies. Das weiß jeder, der schon einmal in einem Entwicklungsland war und sich die Situation ohne kulturrelativistische und elendsromantische Sonnenbrille angesehen hat. Eigentlich keine goßartige intellektuelle Leistung.
Wenn also Myanmar nach der Naturkatastrophe jetzt nicht auch noch Opfer einer politischen Katastrophe werden soll, misstrauen nicht nur die Generäle zu Recht „der Großmut und dem Pflichtgefühl der internationalen Gemeinschaft“, wie sie ironisch erklärten. Sie verbitten sich die politische Instrumentalisierung der humanitären Hilfe und müssen – da haben sie gar keine Wahl – auf ihre asiatischen Nachbarn bauen (auch wenn die wiederum ihre eigenen Begehrlichkeiten haben).
Der Absatz erinnert mich sehr an die Mugabe-Verteidigungsrede von Schwarzers Knallchargenkollegen Henning Mankell. Wahnsinn! Die Bedeutung dieser Worte scheinen ihr nicht klar zu sein. Was zurzeit in Burma passiert stellt in den Augen von Alice Schwarzer wohl keine politische Katastrophe dar. In Deutschland empfindet sie doch auch fast alles als Katastrophe…
Jedenfalls ist ihr Beitrag zum Thema Burma eine Katastrophe. Schwarzer und Mankell, zwei wohlgenährte westliche “Intellektuelle” machen Urlaub in der Dritten Welt und sind begeistert. Von der romantischen Armut der Bevölkerung, der urigen Rückständigkeit und den liebenswert anti-amerikanischen Diktaturen. Ich empfinde diese Haltung eher als dumm und unmenschlich. Aber wahrscheinlich bin ich zu intolerant. Um mich selbst zu zitieren:
“Vielleicht wollen die Leute in Simbabwe ja gar nicht essen”. Nur weil wir Europäer jeden Tag essen. Jedem das Seine. Und hauptsache mir das Meine!
Burma, Simbabwe… Ist ja eh alles dasselbe!
Mehr dazu: Wieso Fau Schwarzer als Frauenrechtlerin eine gewisse burmesische Persönlichkeit mit keinem Wort erwähnt, das fragen sich auch die Kollegen bei den Freunden der Offenen Gesellschaft. Und die deutsche Satireseite “German-Foreign-Policy.com” hat sich eine lustige Verschwörungstheorie ausgedacht: Westliche Hilfe für die Zyklonopfer in Burma sei Teil einer “Einkreisung Chinas” durch den bösen Westen. Den Teil hat Frau Schwarzer vergessen.
Wie toll es den Menschen in den mittelalterlichen Diktaturen dieser Welt geht, das zeigt eine BBC Newsnight Reportage über das schlimme Schicksal nordkoreanischer Flüchtlinge in China.
Mir vergeht bei sowas immer jeglicher Kulturrelativismus. Aber vielleicht bin ich auch nur nicht antiamerikanisch genug.


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Hey, Sie Frauenfeind, Sie! Find ich voll nich ok, daß Sie hier Frauen kritisieren, ja? Alle Frauen. Sie sind ein verdammter Chauvi. Bestimmt machen Sie auch ständig Frauen-können-nicht-Einparken-Witze. Ich kenne so Typen wie Sie. Mit Ihnen werde ich jedenfalls gar nicht mehr reden. Bis Sie sich entschuldigt haben und zugeben, daß es ein Fehler war, das zu schreiben. So!
@Diskus: Ey, voll sorry und so. Aber mir ging es nicht um die Kritik deutscher FemministInnen (sowas würde ich nie tun!), sondern um die Kritik der persönlichen Dummheit von Frau Schwarzer. Jetzt kommen sie schon! Ey!
Treffend das Geschwätz auseinander genommen – ich bin einigermassen schockiert, dass die Dame so was erzählt…
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