Die SPD ist im Begriff, das von der FDP angestrebte Traumergebnis von 18 Prozent zu erreichen, wenn auch aus der anderen Richtung. Das ist kein Grund zur Schadenfreude, denn ohne eine starke und funktionierende Sozialdemokratie kann eine soziale Demokratie nicht gut funktionieren; andererseits gibt es im Bundestag, mit Ausnahme der FDP, nur noch sozialdemokratische Parteien, die unter den Logos von CDU, CSU, Grüne und Linke firmieren, so dass mit der Auflösung der Ur-Marke SPD kein allzu großer Schaden verbunden wäre.
Vom Erfolg der eigenen Idee überwältigt? Von der Evolution ausgelöscht? Henryk M. Broder schreibt bei SPON einen rührenden Abgesang auf die SPD.


Alles Unsinn! Die SPD ist natürlich nicht in einer existenziellen Krise. Ihr fehlt nur ein personelles Zugpferd, eines wie Schröder es war und wie Beck es nie sein wird. Das steht indirekt so gar in dem achso rührenden Abgesang drin:
Gut, bei der CDU ist das Personal auch nicht besser, aber die haben wenigstens Angela Merkel, die allen anderen die Schau klaut, weil sie ihren Job professionell erledigt.
Was, wenn Angela Merkel einmal nicht mehr Kanzlerin ist? Dann hat die CDU das gleiche Problem, macht sie doch die gleiche Politik.
Und zur Linkspartei: die wird kaum dauerhaft den Platz der SPD einnehmen können. Ohne Lafontaine und Gysi (die Zeit wird kommen) haben die auch ein Problem! Dann wird sich der geneigte Sozialdemkrat ganz schnell wieder an die SPD erinnern. Nur Geduld … aber hoffentlich hat die SPD auch Geduld.
Ich finde Broders Rat trotzdem angebracht: Und wir sollten alles aufkaufen, was im SPD-Shop angeboten wird. “Stimmungsvolle Windlichter” aus Glas (”Hier geht Euch ein Licht auf!”), sechs Stück zu 29 Euro; einen roten SPD-Toaster für 27,60 Euro, der die magischen drei Buchstaben auch auf die Brotscheiben brennt; SPD-Windjacken, SPD-Badeschuhe, SPD-Basecaps, SPD-Thermoskannen, SPD-Pustefix, das SPD-Riesen-Seifenblasen-Spiel für Kinder- und Sommerfeste, SPD-Windmühlen aus Hart-PVC und SPD-Proviantdosen für den langen Marsch in eine entsorgte Zukunft. Wollen wir eine Käufergemeinschaft bilden und Mengenrabatt rausschlagen?
@Diskus: Bin dabei!
@romanmoeller: Ich denke eher, dass Schröder für die derzeitige Misere der SPD zu einem großen Teil mitverantwortlich ist. Um ebenfalls Herrn Broder zu zitieren:
Spätestens mit dem Umstieg von Gerhard Schröder aus dem Bundeskanzleramt in die Direktion der Gasprom hätte uns klar werden müssen, wozu die SPD am besten taugt: Als Trampolin in die Beletage der Gesellschaft, wo dicke Zigarren geraucht und fette Abfindungen ausgehandelt werden.
@diskus: Offen gesagt halte ich nichts von dieser Idee. Ich hab hier noch irgendwo das Wahlmanifest von ‘05 rumliegen. Das muß reichen!
@mrpresident: Ja, politisch ist Schröder in jedem Fall mit-, wenn nicht hauptverantwortlich. Aber er war auch rein personell das bislang letzte große Zugpferd, das noch im TV-Duell mit seinem Liebesgeständnis zu Doris die Kartoffeln fast wieder aus dem Feuer geholt hätte – stell dir mal vor, Hubertus Heil hätte das versucht. Oder Beck. Da hätten wir doch nur gelacht, oder was?
@romanmoeller: Ich erinnere mich nur noch an den betrunkenen Schröder in der Elefantenrunde beim , ja, ZDF nach der Wahl 2005. Da hab ich gelacht. Und wie!
Hubertus ist ja damit beschäftigt, den “Change” auch in Deutschland zu forcieren. Auch auf Englisch. Und Beck, tja. Ähm. Der würde sich vermutlich mit seinen Karteikärtchen verhaspeln und keiner würde verstehen, was er überhaupt sagen wollte.
Ich finde den Artikel von Broder absolut Lachhaft. Hier wird von Außen versucht eine lange Tradition und eine großartige Partei (mit Höhen und Tiefen) kaputt zu schreiben. Auch der Artikel von Franz Walter war kein Deut besser. Alle beide sehnen sich das Ende der SPD wohl so sehr herbei, dass sie wirklich schon einen Nachruf schreiben müssen, weil sie scheinbar im Denken nicht so schnell sind. Vorbereitung ist alles!
Es war in den letzten Jahren nicht alles Gold was glänzt – keine Frage, aber so mit der Tradition von Menschen umzugehen und diese so zu diffamieren, die zig Jahre für dasselbe Ziel gekämpft haben und auch zu Zeiten der NSDAP ihr Leben gelassen haben für ihre Überzeugung, finde ich beschämend und absolut anstandslos!
@Volker:
Wenn Sie sich den Artikel von Herrn Broder nochmals genau durchlesen, dann wird Ihnen vielleicht der ironische Unterton des Artikels auffallen.
Da Sie anscheinend SPD-Mitglied sind, kann ich mir Ihre Unzufriedenheit mit den beiden Spiegel-Artikeln vorstellen. Sie sollten jedoch eher mit dem momentanen Zustand Ihrer Partei unzufrieden sein: Keine sinnvollen Konzepte (seit den Hartz-Reformen), kein charismatisches Führungspersonal (mindestens seit Willy Brandt, spätestens seit Helmut Schmidt) und zurzeit eben (nachweislich) katatstrophale Umfragewerte. Ihre historischen Leistungen können und sollten die SPD nicht vor Kritik schützen. Die SPD sollte sich nicht im Gruppenschmollen üben, sondern endlich mal wieder durch Inhalte und Personalien überzeugen. Wer kein eigenes Profil entwickelt und dann auch noch mit der Ex-SED kuschelt, der hat es eben nicht besser verdient.
Die SPD hat schon viel schlimmere Krisen überstanden, da stimme ich Ihnen zu. Andererseits ist nichts für die Ewigkeit. Auch nicht die demokratische Zutsimmung für eine Partei. Die muss man sich schon verdienen.
Man könnte übrings (rein theoretisch) auch mit dem Artikel unzufrieden sein, ohne zahlendes Mitglied zu sein – kann ich mir entfernt durchaus vorstellen.
@romanmoeller: Das könnte man sicher. Den derzeitigen traurigen Zustand der SPD auf eine “Medienverschwörung” zurückzuführen wird der Situation jedoch nicht gerecht.
Nö, das stimmt. Aber man muß eben auch nicht zwangsläufig zahlendes Mitglied sein, um das zu bemerken.