Gerade in diesem Moment ist auf arte ein schockierender Bericht zu sehen, der sich mit Sklaverei auseinandersetzt. Er wird am 3. Juli wiederholt und ist unbedingt sehenswert. Ich fasse ihn kurz zusammen:
Wenn man das Wort Sklaverei hört, denkt man gleich an das, was man in der Schule darüber gelernt hat: Europäer organisierten einen schwunghaften Menschenhandel von Afrika nach Amerika, um dort genügend Arbeitskräfte für Plantagen etc. zu haben. Die Südstaaten der USA betrieben noch bis zum Bürgerkrieg weiter Sklavenwirtschaft und noch heute leidet das Land unter den Nachwirkungen. Etwa 12 Millionen Schwarze wurden zwischen 1500 und 1850 so aus ihrer Heimat gewaltsam entrissen und in die Neue Welt verschifft, unter erbärmlichsten Bedingungen transportiert, mißhandelt, gefoltert und entrechtet. Ein Schandfleck für die westliche Welt. Im Gedenkjahr der Sklaverei 2004 pilgerten westliche Politiker in Scharen nach Afrika um ein kollektives mea culpa abzugeben. Kolonialismus und Versklavung sind beliebte Argumente afrikanischer Politiker im Ringen um Entwicklungsgelder und die Opferrolle im afrikanischen Selbstbild ähnlich tief verankert wie die Täterrolle im Selbstbild der Deutschen.
Aber das im wörtlichen Sinne schwarz-weiße Bild, was uns in der Schule und im Fernsehen eingetrichtert wird, ist falsch, weil es unvollständig ist. Viel umtriebiger noch als die Europäer und auch viel länger schon im Geschäft waren islamische Sklavenhändler, die seit dem 7. Jh bis noch ins 20. Jh. hinein Sklavenrouten erstens durch die Sahara und zweitens über Ostafrika und weiter per Schiff durchs rote Meer unterhielten. 17 Millionen Afrikaner waren es insgesamt, die den Gang nach Ägypten und Arabien antreten mußten. 30% starben beim Transport. 70% der Angekommenen starben, wenn sie kastriert wurden. Es war keinesfalls so, daß nur Haremsdamen und Eunuchen gebraucht wurden. Das gesamte Wirtschaftssystem war auf Sklavenarbeit aufgebaut. Sklavenhandel wurde und wird mit dem Koran gerechtfertigt, der die Versklavung nur von Muslimen untersagt. Nichtmuslime dagegen durften und dürfen versklavt werden. Zunächst waren es bis zu einer Million Europäer, die aber zuviel Gegenwehr organisierten, sodaß sich professionelle Sklavenjäger mit staatlichem Monopol und allen erforderlichen Sanktionen ausgestattet lieber in Afrika auf die Jagd machten. Auf jeden gefangenen Sklaven kamen zwei bis drei Getötete. Die Opferzahl darf also getrost auf 45-60 Millionen beziffert werden.
Sogar eine muslimische Rassenlehre gabe es lange bevor der Westen auf derartige Ideen kam. Der berühmte arabische Gelehrte Ibn Khaldun formulierte Thesen, die den Neger als Untermenschen klassifizierte – 400 Jahre bevor das Abendland soweit war. Das nennt man doch Fortschrittlichkeit.
Und keinen interessiert’s.
In Geschichtsbüchern weltweit tauchen die Transatlantikrouten auf, aber nicht die Routen nach Arabien. Die Unesco stößt auf Ablehnung bei den Arabern bei Initiativen, die weitere Untersuchungen forcieren sollen. Gefragt, ob die Arabische Liga ähnliche Reueaktionen starten würde wie der Westen schon seit geraumer Zeit, antwortete der Botschafter der VAE in Paris, er fasse diese Berichte als Lügen und antimuslimische Propaganda auf. Erstmal solle der Westen seine Rolle dabei weiter aufklären.
Und afrikanische Staaten halten still. Das gesamte Nordafrika ist muslimisch: Es gilt als verpönt, Glaubensbrüder anzuschwärzen. Es ist bequemer, das alte Spiel vom bösen Europäer und Opferafrikaner weiterzuspielen. Denn die Welt verträgt komplexe Wahrheiten nicht so gut. Also wird geschwiegen.
Gestoppt hat den Sklavenhandel nach Arabien der Westen. Die Aufklärung sorgte dafür, daß Menschenhandel von Afrika aus unterbunden wurde – nicht nur nach Amerika, sondern auch nach Arabien. Der arabische Sklavenmarkt wurde von Europa aus mitausgetrocknet – mit bislang nicht untersuchten Konsequenzen für das arabische Wirtschaftssystem. Die Tatsache, daß der arabische Sklavenhandel einfach verschwand, war etwas ungünstig. Denn er wurde nie aufgearbeitet. Wenn man es jetzt probiert, wird es schwierig.
Der Historiker Ibrahima Thiou berichtete von einer Konferenz 2001, in der er vom Organisationsplan abwich und frei über Sklaverei im allgemeinen redete. Seine Audienz war zweigeteilt, zum einen Vertreter aus Afrika, zum anderen aus Europa und Amerika. Der Vortrag wurde für ihn unerwartet unruhig, weil es immer wieder Zwischenrufe in Richtung “Nestbeschmutzer” gab, aber keine wissenschaftlichen Einwände. Nach dem Vortrag kamen einige afrikanische Kollegen zu ihm und der Kanon war, seine Argumente seien sicherlich richtig, aber man dürfe in Anwesenheit von Weißen nicht darüber reden. Getrennt von denen kamen viele Weiße zu ihm und deren vorherrschende Meinung ging in die Richtung: “Ich bin derselben Ansicht wie Sie, aber ich dürfte so etwas nie laut sagen, denn dann würde ich sofort als Rassist gebrandmarkt.”
Es wird Zeit, daß diese unfaßbaren Halbwahrheiten aufhören – schon aus Respekt für die versklavten Opfer. Wissenschaft muß frei sein. So frei, auch über die Rolle des Orient und auch Afrikas selbst (Sklavenhandel wurde schon seit Urzeiten in Afrika praktiziert) beim Menschenhandel zu reden.
Wiederholung am 3. Juli um 10.45 Uhr


Davon stand tatsächlich nichts in meinem Geschichtsbuch. Diesem Thema müssten sich wohl westliche Wissenschaftler annehmen, da muslimische Länder es ja nicht so mit freier Forschung haben. Westlichen Wissenschaftlern würde dann aber natürlich die Relativierung der eigenen Geschichte vorgeworfen, da hast Du schon Recht. Wir “Westler” haben ja schon schlimme Dinge gemacht, aber immerhin sind wir in der Lage unsere Fehler einugestehen (auch wenn es teilweise in Selbsthass ausartet). Und manchmal lernen wir sogar was daraus. Wenn man sich z.B. chinesische Schulbücher ansieht, dann zeigt sich dass das Problem der Geschichtsverzerrung in der unschuldigen 3. Welt der Opfer noch viel größer ist. Und viele sich selbst hassende Westler spielen da auch noch mit.
[...] unbedingt nett, was die Bezeichnung der Gläubigen angeht. Das Thema aber ist mehr als wichtig: Wie die Muselmanen Afrika versklavten. Ein wenig bis gar nicht behandeltes Thema. Sklavenhalter und –händler sind immer nur die [...]
Wo kann man sich denn chinesische Schulbücher ansehen? Da würde ich ja gern mal einen Blick reinwerfen.
Bei uns am Institut gibts die stapelweise. Du darfst gerne mal vorbeischauen!