Wu Wenfeng von der Renmin Ribao (Volkszeitung) ist außer sich: Das deutsche Magazin “Stern” hat bei einem seiner (reaktionären und anti-chinesischen) Artikel eine “absurde separatistische Landkarte” verwendet. Die Karte weise einige “offensichtliche Fehler” auf:
Die Karte ist natürlich total falsch. Erstens hat der Autor vergessen die “Provinz” Taiwan als chinesisches Territorium einzufärben. Und dann wurde auch noch auf imperialistische Art und Weise Tibet abgetrennt. Beide Gebiete gehören schon seit Tausenden Jahren zum chinesischen Staatsgebiet. Sie waren schon chinesisches Territorium, als es den Staat “China” noch gar nicht gab. Das ist internationaler “Konsens”. Warum machen die Deutschen so was? Aus Unwissenheit? Die Antwort (laut Wu) ist simpler: Die Deutschen sind einfach sauer weil sie von den Chinesen wirtschaftlich überholt werden. Das erklärt den “Karten-Zwischenfall” und auch das Treffen der Bundeskanzlerin mit dem Dalai Lama. So siehts aus! Die richtige Karte müsste natürlich so aussehen:
Wichtig sind auch die kleinen Inselchen im Südchinesischen Meer. Die gehören auch alle schon seit Jahrtausenden zu China. Und es wäre wirklich freundlich, wenn die ganze Welt so tun könnte, als ob das auch wirklich so wäre, dann müssten die Kommunisten sich viel weniger aufregen. Es kostet nämlich sehr viel Kraft und Ressourcen solche Illusionen die ganze Zeit zu verteidigen. Irredentismus macht müde.
Die KP hat im Laufe der Jahre die meisten der alten territorialen Ansprüche aus der Republikzeit (1911-1949) aufgegeben. Pragmatisch und rational, nach mehreren Grenzkriegen gegen Indien und Russland. Am territorialem Anspruch auf Taiwan und mehrere Inselgruppen im Pazifik hält sie jedoch auch weiterhin fest. Hier paaren sich strategische Interessen mit einem ungesunden Nationalismus. Momentan betont Beijing noch seinen Willen zur ”friedlichen” Lösung, bzw. zu einer “Verschiebung einer endgültigen Lösung” der Konflikte in die Zukunft. Der Hintergrund hierfür ist klar: Irgendwann werden die Kommunisten militärisch stark genug sein um ihre territorialen Ansprüche militärisch durchzusetzen. “Harmonische Welt” und “Friedlicher Aufstieg” hin oder her.
P.S.: Zu Chinas Verteidigung muss man noch sagen, dass sie nicht die Einzigen sind, die in einer territorialen Traumwelt leben. Georgien, Armenien/Aserbaischan, die Palästinenser und viele andere Menschen leben mit solchen Fantasien. Auch deutsche Nazis.
Update 19.07.: Wahnsinn! Auf chinesischen Druck hin hat der Stern die Karte zuerst verändert und mittlerweile ganz aus dem Artikel genommen. Seit wann lässt sich eine deutsche Zeitschrift von der chinesischen KP und ein paar Online-Nationalisten (”netizens”, wangyou, 網友) vorschreiben wie sie ihre Artikel zu verfassen hat? Das ist nicht nur eine Einmischung in unsere “inneren Angelegenheiten”, sondern auch ein Verstoss gegen Verfassungswerte. In einer Weile muss ich vor jedem Klogang die chinesische Botschaft anrufen, um mich zu versichern, dass ich nicht gerade die “Gefühle des gesamten chinesischen Volkes verletze”…
Chinesische Auslandszensur in Action!
Update 20.07.: Den chinesischen Online-Nationalisten ist wohl aufgefallen, dass sie im “Karten-Zwischenfall” ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen sind und sich selbst lächerlich gemacht haben. Jedenfalls findet sich heute bei Xinhua ein Artikel, in dem zu einem “rationaleren” Ausdruck von “Patriotismus” augferufen wird. Die deutschen Medien verbreiteten ihre “Lügen” aus Neid über den schnellen Aufstieg Chinas und versuchten mit ihrer “unverantwortlichen und verfälschenden” Berichterstattung die Chinesen zu provozieren um sie bloßzustellen (was in diesem Fall auch super geklappt hat). Anhand von Beispielen aus dem Tierreich wird erklärt, dass es besser sei seinen Patriotismus durch Ruhe und Selbstbewusstsein auszudrücken als durch blinden Hass und ungebändigte Wut. Mal sehen obs was bringt…





ja…so Schreckliches ist nur ein kleiner Teil davon. Es passiert immer! ich sorge mich schon um Olympia. Taiwanische Nachrichten hat so bericht dass in Opening Taiwan nach HongKong und Makau erscheint wird, nämlich ist auch ein kleine Trick um zu zeigen dass wir ein TEIL von China und es trifft sogar die Übersetzungsproblem von “Chinese Taipei” nach Chinesich!! weil es 2 Möglichkeiten gibt entweder “Chinese ist sogenannte Volksrepublik China Taipei 中國台北” oder “Chinese ist sogenannte Republik China Taipei中華台北” gibt..also beide sind nicht falsch wenn wir aus der Sicht der reinen Übersetzung sind, aber die Bedeutung ist komplett anders.
es ärgert mich noch was……und noch was………..und noch was…………
sorry..
best Grüße !!!
;=)
@Melvin: Tja, was soll man da sagen. Die KP bleibt eben die KP. Wenn sie all das Personal und die Ressourcen das sie für Internetzensur und Propganda benutzen für sinnvolle Dinge ausgeben würden, dann gäbe es vielleicht auch weniger Auftsände…
Auf die Eröffnungsfeier bin ich auch gespannt. Da wird China die Geschichte der Welt neu schreiben und alle müssen es sich anschauen.
Grundsätzlich versucht jede Weltmacht, für sich die besten Resourcen und Einflusssphären zu sichern.
Ok. China ist keine Weltmacht, hat aber das Potenzial dazu und alle Zeichen deuten auch darauf hin.
Chinas ganzes Weltmachtsbestreben gelingt aber nur dadurch, wenn es seine überaus gravierenden ökologischen Probleme lösen kann.
Fangen wir doch erstmal damit an, Katalysatoren in die Autos zu bauen.
Von der Boden- und Wasserqualität und alle daraus resultierenden Folgen ist ganz zu schweigen.
Schauen wir uns doch erstmal die Spiele in Ruhe an. Nämlich ein Kind tot zu quatschen bevor es geboren ist, verneint seine Chance auf Entwicklung.
@Thule: Ich wollte China mit diesem Beitrag sicherlich nicht sein “Recht auf Entwicklung” absprechen. Genau dieses Argument bringt die KP übrigens regelmäßig gegen Forderungen zum verstärkten Umweltschutz. Unter der massiven Umweltzerstörung in China leiden ja nicht nur wir im Ausland, sondern vor allem die Bevölkerung in China selbst. Das wäre also durchaus auch im ureigensten chinesischen Interesse.
In meinem Beitrag ging es eher um die territorialen Träume der chinesischen KP und die Methoden der Auslandszensur, mit denen sie versucht dem Rest der Welt dieselbe Sichtweise aufzuzwingen. Dass deutsche Medien sich diesem Diktat unterwerfen, das halte ich für eine gefährliche Entwicklung.
Da ist mein Beitrag wohl ein wenig deplatziert gewesen, das stimmt.
Auslandszensur: Die Frage stellt sich doch, warum der Stern das zulässt?
@Thule: Das frage ich mich auch. Ich hab Ihnen mal eine E-Mail geschrieben, aber bislang noch keine Antwort bekommen. Vielleicht kommt ja noch was.
Schon Post bekommen?
Mich würde deren Gründe echt interessieren…
Leider noch nicht. Vielleicht muss ich nochmal nachhaken…
“Leider noch nicht. Vielleicht muss ich nochmal nachhaken…”
Nun wir haben die Information, dass der Chefredakteur auf dem Weg nach Peking ist und sich gerade Instruktionen darüber holt, was er dem Mr. President antworten darf und kann. Das ist sehr wichtig, denn davon hängt die Akkreditierung der Journalisten ab, ob sie denn auch live von der Olympiade berichten dürfen, oder ob es nicht doch besser wäre, wenn man einen Aufpasser neben den Internetzugang setzt.
Gerade in diesem Moment tippt er übrigens unter Aufsicht seine Antwort in Tastatur.
@taylor1944: Da bin ich aber mal gespannt, was die Propagandaabteilung da mit dem Stern zusammen für mich zusammenkocht. Man könnte die Artikel in Zukunft natürlich auch gleich direkt von der Beijing Rundschau kopieren…
Aber mal Spass beiseite, der Inhalt aller Stern-Artikel zum Thema China ist negativ bis konterrevolutionär. Ich habe keine Ahnung, was der Stern sich vom Entfernen einer Karte erhofft. Angesichts der Xinhua-Artikel zur Karten-Affäre habe ich nicht den Eindruck, als ob das den Ruf des Stern in China verbessert hätte.
Hallo Mr. President,
ich denke, der Stern hat sich unter Druck setzen lassen, damit man gerade zur Olympiade berichten kann. Ich weiß zwar nicht ob es stimmt, aber angeblich sortiert die Führung in Peking gerade ungenhme Journalisten aus, damit die Olympiade ein voller Erfolg wird…medientechnisch gesehen. Vorstellen könnte ich mir das schon.
@taylor1944: Mit der für die Olympiade versprochenen Pressefreiheit ist es tatsächlich nicht weit her. Aber dass die Kommunisten kritisch berichtende Journalisten aus dem Westen aussortiert, dazu ist mir noch nichts bekannt. Unter Druck stehen westliche Journalisten in China immer.
Der Stern berichtet jedoch immer noch kritisch aus China. Teilweise finde sogar ich die Berichterstattung des Stern etwas einseitig und überzogen. Was man sich also von der Entfernung dieser Karte erhofft hat, das ist mir weiterhin unklar. Jedenfalls ist der Stern dadurch bei den Kommunisten nicht beliebter geworden.
[...] 23, 2008 · Keine Kommentare Für sein “kooperatives” Verhalten in der “Karten-Affäre” wurde der Stern nun offensichtlich von der Kommunistischen Partei Chinas belohnt: Das entfernen [...]
Na denn: Olympia kann kommen!
p.s. Was wohl nun aus der Fotostrecke über China im aktuellen Stern wird?! – Überdies rein fachlich gesehen eine super fotografische Arbeit der Fotografen.
Wenn in der sechziger Jahren fast ein Krieg zwischen Russland und China wegen 174 qkm Flussinseln ausgebrochen wäre (mittlerweile wurden diese Gebiete, Insel Yinlong (Tarabarow) und die Hälfte der Heixiazi-Insel (Bolschoi Ussurijski), an China zurückgegeben und der Grenzstreit beigelegt), dann erscheint es doch nur logisch wenn der Stern auf einmal 1,2 Mio qkm von Chinas Territorium streicht.
Wie auch immer, die Chinesen reagieren höchst empfindlich, was ihre Landesgröße betrifft.
Die Gründe zum Einlenken des Sterns auf Chinas Druck hin, kann ich mir gut, wie schon taylor1944 sagte, vorstellen.
Wir haben ja schon während des Fackellaufs bei der Gipfelbesteigung des Mt. Everest gesehen, wie sich westliche Medien von der chinesischen Regierung für eine gute Story haben hinhalten lassen.
@Thule: Mir ist schon klar was sich die deutschen Medien davon erhoffen, nur irgendwie stimmt da das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht…