Appeasement hat noch nie funktioniert. Und trotzdem gibt es immer wieder Politiker die ausreichend naiv sind um es erneut zu versuchen. So zum Beispiel die deutschen und französischen Außenpolitiker, die im vergangenen April beim NATO-Gipfel die Aufnahme Georgiens verhinderten. Man wolle den neuen Präsidenten Russlands nicht vor den Kopf stoßen. Und Georgien solle “seine” territorialen Probleme erst einmal selbst lösen. Wie genau Georgien die Probleme mit den de facto von Russland besetzten Gebieten Südossetien und Abchasien denn genau “lösen” sollte, das sagte der deutsche Außenminister Steinmeier dann aber leider nicht. Die Samthandschuhpolitik gegenüber der Gazpromrepublik Putinland hat Steinmeier noch von seinem ehemaligen Chef, dem Altbundeskanzler und Experten für lupenreine Demokratie, Gerhard Schröder übernommen.
Die Argumentation dass eine Aufnahme Georgiens in die NATO Russland verärgern und den Konflikt weiter anheizen würde war dämlich. Genau das Gegenteil wäre der Fall gewesen. Russland hätte es nie gewagt ein NATO-Mitglied anzugreifen. Georgien hätte sein Vorgehen mit seinen NATO-Partnern abstimmen müssen. Der NATO-Russland-Rat wäre ein geeignetes Forum für effektive Verhandlungen zur Lösung des Problems gewesen, im Gegensatz zum UN-Sicherheitsrat, der auch in dieser Sache wieder seine Unfähigkeit unter Beweis stellt.
Stattdessen herrscht nun Krieg im Kaukasus. Vermutlich wird sich Georgien mit dem Verlust der beiden Regionen abfinden müssen. Im Falle eines Referendums würden sich deren Bevölkerungen mit Sicherheit für die Unabhängigkeit entscheiden. Der Westen hat allerdings erneut eine Gelegenheit verpasst der immer aggressiver und kriegerischer werdenden Außenpolitik Russlands (vor allem gegenüber seinen pro-westlichen Nachbarstaaten) etwas entgegenzusetzen. Russland, einer der größten Verfechter der “Doktrin der absoluten nationalen Souveränität”, darf ungestört die Souveränität seines Nachbarlandes verletzen und sich Vasallenstaaten kreieren. Na dann mal viel Glück, Europa!
Dazu ein Kommentar bei Welt Online: Die EU muss jetzt Solidarität mit Georgien zeigen
P.S.: Die Friedensbewegung befindet sich leider gerade im Sommerurlaub und kann daher leider keine Demonstrationen für die Verlegung georgischer “Friedenstruppen” nach Tschetschenien organisieren.


Die Friedensbewegung, wäre sie denn jetzt mal aktiv, würde sich wahrscheinlich hinter die Osseten und Russland (alte Liebe rostet nicht) stellen, da Friedensaktivisten stets mit der “völkischen Autonomie” sympathisieren. Egal ob nun Osseten von Georgiern , Basken von Spaniern oder Deutsche von den Amerikanern unterdrückt werden.
Sicherlich kann man noch die Friedensbewegung aktivieren: da sind doch amerikanische Berater in Georgien! Also: Lichterkette bilden, Pace-Fahnen hoch, die Parole “Amis raus aus Georgien” auf die Plakate und die Million Friedensbewegte marschiert.
@ Albert und F. Hoffmann: Dann gibt es ja doch noch Hoffnung. Nur irgendwie müsste man die Friedensbewegten noch aus dem Urlaub/Freibad rauslocken. Dafür reichen die rhetorische Unterstützung der Amerikaner für Georgien und ein paar Militärberater wohl leider noch nicht aus. Zudem muss die Friedensbewegung wohl noch die genaue Rolle Israels in dem Konflikt ausloten. Dann kanns losgehen.
[...] vernommen. Was der europäische (und besonders der deutsche) Anteil an dem Desaster ist, wird auf Hotel Villa de Art beschrieben. Und gleichzeitig stellt sich die Frage, wie lange es die Friedensbewegung schafft sich [...]
Appeasement hat noch nie funktioniert.
So? Im Oktober 1962 hat “appeasement”, wie Sie es nennen, nach Lage der Dinge die Welt gerettet.
Und jetzt mal ehrlich — wer behauptet, in diesem chaotischen Konflikt sei Russland der Alleinschuldige, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Daran ändern auch die Zustände in Puti^WMedwedews kommoder Diktatur nix.
@ multi_io: Im Oktober 1962 hat “appeasement”, wie Sie es nennen, nach Lage der Dinge die Welt gerettet.
Und jetzt erklären Sie mir mal bitte, inwiefern eine militärische Seeblockade und die Androhung eines 3. Weltkrieges Appeasement darstellen soll. Für das Scheitern von Appeasement könnte man gleich eine Reihe von Beispielen anführen. Das wurde allerdings schon so oft gemacht, dass ich mir die Zeit dafür sparen werde.
Und jetzt erklären Sie mir mal bitte, inwiefern eine militärische Seeblockade und die Androhung eines 3. Weltkrieges Appeasement darstellen soll.
Die Hardliner im Pentagon wollten eine Invasion auf Cuba. Dagegen ist eine Seeblockade “appeasement”. Im Übrigen endete die Sache ja nicht mit der Seeblockade. Am Ende haben die Amis ein ziemlich großes Zugeständnis gemacht (Raketenabzug aus der Türkei). Appeasement, jedenfalls nach hiesiger Definition. Es gibt ja Leute, die Kennedy sein damaliges Handeln bis heute als Schwäche auslegen. Ich will nicht wissen, was die ganzen Leute, die jedes Bemühen um diplomatische Lösungen immer gleich mit 1938 vergleichen, im Jahre 1962 gebrüllt hätten, wenn sie da schon geboren/alt genug gewesen wären und es schon Blogs gegeben hätte. “Die roten Bastarde stationieren hundert Kilometer vor Florida Atomraketen, und das Weichei Kennedy verhandelt, statt die zum Teufel zu jagen. Demnächst werden die sich alles erlauben!”. Ich kann’s fast hören.
So kann man das natürlich sehen. Ich würde Appeasement eher als ein einseitiges Entgegenkommen zur Beschwichtigung einer aggressiven Macht sehen. Die Kubakrise war ja eher ein gegenseitiges Nachgeben. Aber das ist dann ein Definitionsproblem.
Das ändert aber nichts daran, dass Appeasement in vielen Fällen eben nicht funktioniert hat. Da die Russen sich derzeit um die internationale Reaktion nicht sonderlich zu scheren scheinen (ihre Panzer fahren ja immer noch in Georgien rum), würde ich von Appeasement-Versuchen eher abraten…