Anläßlich des Kölnspektakels, wo man mal wieder massenweise gewaltbereite Linksextreme beobachten konnte, habe ich hier die Frage gestellt, was nach allgemeiner Ansicht der Unterschied zwischen Links- und Rechtsextemen sei. In den folgenden Antworten kamen aber nur Gemeinsamkeiten: Anti-Amerikanismus; Antisemitismus, Gewaltbereitschaft; Ablehnung von Demokratie, Freiheit, Kapitalismus und Pluralismus.
Das scheint zu stimmen. Aber ich denke schon, daß es einen gewaltigen Unterschied zwischen Links- und Rechtsextremismus gibt: Rechtsextreme Gewalt richtet sich in der Regel gegen Individuen, linksextreme Gewalt gegen Insititutionen. Wenn man nicht gerade mit offenkundigen Naziemblemen in die Antifaszene reinrennt, hat man also wenig zu befürchten. Die verhauen einen nicht und pöbeln einen nicht an. Verhauen werden Repräsentanten des Staates, also in erster Linie Polizei. Die berüchtigen Krawalle bei Schanzenfesten in Hamburg, die zumeist aus der Szenelokalität „Rote Flora“ heraus dirigiert wurden, die offenkundigen Guerillataktiken mit Angriffen auf Polizeiverbände aus kleinen Nebenstraßen heraus, die brennenden Barrikaden allerorten: Das ist das Gesicht des Linksextremismus. Als Individuum besteht aber so gut wie keine Gefahr. Man kann, z.B. einfach so in die Rote Flora hineinspazieren, billig Bier trinken und z.T. gar nicht so schlechte Musik hören. Es ist nicht erforderlich, mit schwarzen Kapuzenpullis herumzurennen und linksradikal auszusehen.
Bei Rechtsextremen scheint mir die Sache anders zu sein: Die brauchen nur schlechte Laune und verhauen alles was anders aussieht als sie selbst. Unzählige Male bin ich schon auf tumbeste Art und Weise als „Judensau“ beschimpft worden. Meine Verfehlung war, daß ich nicht zu Boden geblickt habe, während die Herren Neunazis sich wie offene Hosen an der Bushaltestelle benommen haben. Andererseits scheinen die ein gewisses Faible für staatliche Organisationen zu haben, sofern es da um Waffen geht. Bundeswehr ist z.B. sehr hoch im Kurs, man geht natürlich auch hin. Zivildienst hingegen ist für Schlappis und Linke. Ich könnte wetten, daß die allermeisten Linksradikalen Zivildienst gemacht haben.
Dieser Unterschied hat interessante Konsequenzen für den Staat. Der linksextreme Haß auf Institutionen impliziert, daß sich der Staat erheblich mehr vor linksextremen Organisationen schützen muß als vor rechtsextremen. Persönlich muß man sich hingegen deutlich mehr vor Rechtsextremen in Acht nehmen, denn die aktiveren Schlägertypen sitzen in diesem Block. Das sind Sachen, die man bei voreiliger Gleichstellung von Rechts- und Linksextremen beachten sollte.
Kommentar: Vorher stand hier: „Mehr als dreimal so viele Straftaten werden von Rechtsextremen verübt wie von Linksextremen.“ Diesen Satz habe ich aber entfernt, weil er irreführend ist (Kommentar von Rayson). Zieht man von rechtsextremen Straftaten Propagandadelikte (tragen verbotener Symbole etc), halten sich die Delikte etwa die Waage.


Schöner Artikel. Ich sehe rechtsextreme Gruppierungen ebenfalls als eine den Linken mindestens ebenbürtigen Bedrohung für den demokratischen Staat. Man sollte sich da nicht auf eine der beiden fixieren. Ich wollte beide nicht unbedingt gleichstellen. Es gibt aber doch eine große Anzahl an Gemeinsamkeiten, was dann auch alle paar Jahre wieder in der Forderung mancher nach einer „Querfront“ gegen das verhasste demokratische System mündet. Rechte sind der Bundeswehr gegenüber vielleicht etwas freundlicher eingestellt, lehnen andere (demokratische Institutionen, Justiz und freie Presse) dafür umso mehr ab oder sehen sie als Festungen, die es für den eigenen Zweck zu besetzen gilt.
Ich habe auch ein Problem damit den Vertretern des Staates, vor allem den Polizisten, ihren legitimen Status als Individuen abzusprechen. Das sind auch nur Menschen. Sie werden von den Linken nur nicht als solche wahrgenommen, sondern „entmenschlicht“.
Ganz richtig. Der wichtige Unterschied zwischen beiden Gruppen ist in meinen Augen auch hauptsächlich die Gefahr, die für einen einzelnen Zivilisten von Extremisten dieser oder jener Prägung ausgeht. Linksextreme scheinen die Unterwanderung staatlicher Institutionen auch deutlich professioneller anzugehen als Rechtsextreme.
Nebenbei habe ich das Gefühl, daß Linksextreme irgendwie intellektueller sind. Die sind gefährlich, aber nicht so beschränkt. Das ist, bitte schön, eine persönliche Beobachtung mit äußerst beschränkter Statistik.
Ui, ja wie gesagt, ich musste über die Frage gestern erstmal nachdenken (nebenbei noch Chemie pauken). Eigentlich kann ich nur eines sagen: wirklich guter und reflektierter Artikel. Auszusetzen gibts da nichts, obwohl für mich die Gemeinsamkeiten an Bedeutung überwiegen. Mögen Linksextreme mich vielleicht nicht verhauen, so machen sie ihre Haltung gegenüber dem Staat (und damit gegenüber seinen Grundfesten) doch recht eindeutig klar, was mich wiederum indirekt trifft, da ich in diesem Staat lebe.
[...] Nach Köln: Was ist der Unterschied zwischen Rechts- und Linksextremen? [...]
Ich glaube, die Unterscheidung trifft es ganz gut. Man könnte noch hinzufügen, dass rechtsextreme Gewalt meist spontaner ist und die Auswahl der Opfer auch oft willkürlicher, obwohl natürlich durch ein vorgegebenes Muster „gerechtfertigt“.
Aber „Mehr als dreimal so viele Straftaten werden von Rechtsextremen verübt wie von Linksextremen.“ zu sagen, ohne zu erwähnen, dass es sich dabei weit überwiegend um Straftaten handelt, die nur von Rechtsextremen begangen werden können, nämlich das Vorzeigen verbotener Symbole, das macht nur angreifbar.
@ Rayson: Stimmt, da war ich nachlässig. Warh heute morgen noch nicht richtig wach. Schreibe keine Artikel vor dem ersten Kaffee.
Herzlichen Dank für den Hinweis! Ich werde das im Artikel bemerken.
[...] ff. (… Zum – - bekanntlich ja fälschlicherweise als rechtsextrem diffamierten (während zugleich [...]
Nach den Erfahrungen vom Wochenende muss ich dem Artikel dann doch widersprechen. Zu Rechtsextremen kann ich nicht viel sagen, da ich noch nie welche „in Aktion“ erlebt habe (in Süd- und Westdeutschland muss man erkennbare Rechtsextreme ohnehin mit der Lupe suchen, in Berlin etc. mag das anders sein, keine Frage). Es trifft sicherlich auch zu, dass linke Gewalt sich oftmals gegen „Institutionen“ richtet, wenn man Altpapiercontainer, private PKW, Schaufensterscheiben und Signalanlagen öffentlicher Verkehrsmittel als Institutionen betrachtet. Die Aussage, vor Linksextremen hätte man „nichts zu befürchten“ ist aber eine unzulässige Verharmlosung linker Gewalt.
Ich bin in Köln an diesem Wochenende mehrmals tätlich angegriffen worden, und zwar unmittelbar gegen meine Person gerichtet und bestimmt nicht, weil ich symbolisch für irgendeine Institution stehen würde. Der einzige Anlass für die Angriffe war die Tatsache, dass ich etwas besser gekleidet war. Ein Anzug reicht vollkommen aus, um Opfer linker Gewalt zu werden, wenn die erhofften „Nazis“ einfach nicht auftauchen mögen. Das Vorgehen ist dabei stets das gleiche: es beginnt mit Pöbeleien und Beleidigungen, dann wird man mit massiver physischer Dominanz eingekesselt und anschließend wird im Verbund getreten und geschlagen, bis dann die hoffentlich bereitstehende Polizei einen Warnruf loslässt, die Gruppe auseinander treibt, aber nicht weiter verfolgt.
Gewalt von Rechtsextremen, so sie denn stattfindet, wird ähnlich verlaufen (bis auf den letzten Teil), insofern sehe ich überhaupt keinen qualitativen Unterschied zwischen rechter und linker Gewalt. Der Unterschied liegt in der Quantität und in der Tatsache, dass linke Täter meist keine Ahndung der von ihnen begangenen Straftaten zu befürchten haben, geschweige denn mit dem Staatsschutz konfrontiert werden. Man muss keinem spezifischen politischen Lager angehören, um anzuerkennen dass hier etwas ganz gewaltig schiefläuft. Was ich und viele andere friedliche Bürger an diesem Wochenende in Köln erleben durften hatte den üblen Geschmack von 1933. Die Schläger und Steinwerfer merken nicht einmal, dass sie längst zu denen geworden sind, die sie doch eigentlich bekämpfen wollten.