Wie klingt es, wenn jemand ordentlich die Nase voll von den Drecksschleudern aus Hamburg hat? Ungefähr so:
The tsk-tsk-ing reached a new level with a recent cover story in the German newsweekly Der Spiegel: “The banking crisis is upending American dominance of the financial markets and world politics.”
Genau. Darauf spekuliert der Spiegel ja schon mindestens seit der Tulpenkrise.
The piece notes the delicious irony of the United States’ having to nationalize parts of its financial system. “The Americans are now paying the price for their pride,” it notes. “Gone are the days when the U.S. could go into debt with abandon.” Gone, too, are the days of “turbo-capitalism” imposing its mores of “avarice and greed” on the global economy. No wonder schadenfreude—that lovely word meaning joy at other people’s suffering—was coined in German.
Ein echtes Aushängeschild für Deutschland, dieser Spiegel. Die schreiben, was alle denken.
Der Spiegel noted with disapproval that “the total value of all outstanding mortgage loans in the United States—$11 trillion (€7.6 trillion)—is almost as large as the country’s gross domestic product.” Surely, the good burghers of Brussels and shopkeepers of England wouldn’t be so foolish with debt, would they?
Hier hat der Spiegel in der Tat vergessen zu erwähnen, daß Deutschland es sich im Gegensatz zu den Amerikanern nicht leisten könnte, ein Schwergewicht wie die Deutsche Bank zu stützen, wie voxeu schon richtig bemerkte:
The key problem on this side of the Atlantic is that the largest European banks have become not only too big to fail but also too big to be saved. For example, the total liabilities of Deutsche Bank (leverage ratio over 50!) amount to around 2,000 billion euro, (more than Fannie Mai) or over 80 % of the GDP of Germany. This is simply too much for the Bundesbank or even the German state to contemplate, given that the German budget is bound by the rules of the Stability pact and the German government cannot order (unlike the US Treasury) its central bank to issue more currency.
Ganz recht. In die gleiche Kerbe schlägt auch Newsweek
Martin Wolf, the magisterial Financial Times commentator, noted that the combined assets of Britain’s Big Five banks are four times the Sceptered Isle’s GDP. The assets of JPMorgan Chase, the largest U.S. bank, add up to about 7 percent of America’s annual output.
Und daher sollte wir uns hierzulande etwas wärmer anziehen und uns folgendes hinter die Ohren schreiben, bevor wir die USA anpinkeln:
Being around other sick people doesn’t mean you’ll get better any sooner.
Und
As the title of Der Spiegel’s essay warned, recent events should indeed signal “the end of arrogance” of financial systems—on both sides of the Atlantic.
Sieg nach Punkten für Newsweek. Mal sehen, ob der Spiegel antwortet. Aber die lesen ja nur NY Times.


Ich glaube dem Spiegel gehts nur darum, dass es den USA dreckig geht. Das scheint das Wichtigste zu sein. Um das eigene Schicksal machen die sich da keine Gedanken.
Das stimmt leider. Aber, ey, wenigstens haben wir immer Recht gehabt.
Die generelle Aussage unterstuetze ich, aber man sollte beruecksichtigen, dass der Vergleich der Newsweek hinkt: waehrend eine Bank wie Fannie Mae hauptsaechlich auf ihrem Heimatmarkt taetig ist, ist das bei der Deutschen Bank oder auch bei einem Institut wie der RBS ganz anders: die DB erwirtschaftet nur noch etwa 30% ihres Umsatzes in Deutschland, etwa 60% in Europa (2007), fuer 2008 wird dieser Anteil noch mal weiter sinken.
Die Abhaengigkeit von einzelnen Maerkten und Entwicklungen ist daher so gering, dass eine Rettung wohl nie anstehen wird. Das ist auch der Grund, warum das Kreditgeschaeft relativ unbehelligt bei denen weitergeht.
Wenn man dem Spiegel also die polemische Verwendung von Zahlen und Statistiken vorwirft, sollte man auch nicht Aepfel mit Birnen vergleichen. Null Punkte fuer beide.
Angesichts der Tatsache, dass die NYT eines der renommiertesten Blaetter ueberhaupt und fuer ihren investigativen Journalismus bekannt ist, finde ich den letzten Satz unangemessen.
Gruss aus Shanghai!
Nee nee. Der Vergleich bezog sich nicht auf Fannie Mae, sondern auf AIG. Globale Aktivität ist keine Garantie für Stabilität. Siehe Lehman Brothers, Merryl Lynch, etc.pp. Siehe auch die Reihe isländischer Banken, die jetzt den ganzen Staat mit runterreißen.
Zur Deutschen Bank: deren “Leverage Ratio” (total debts/total assets) beträgt 50! Der der gerade gefallenen Fortis-Bank betrug nur 26 (BNP Paribas: 31, RBS: 21). Erzähle mir nochmal, die DB sei besonders stabil.
Der letzte Satz ist sehr wohl angemessen. Die Spiegelredaktion zeichnet sich nämlich hauptsächlich dadurch aus, daß sie unkritisch und unreflektiert NYT-Artikel (und seien sie noch so dämlich, sowas gibt es bei NYT) schlecht übersetzen. Dafür brauchen sie zumeist etwa 2 Wochen. Diesen Wert habe ich aus Stichprobenuntersuchungen ermittelt.
Zur NYT: Ach so. Naja, von der ZEIT (insbesondere Campus und Wissen) kopieren sie auch, das dauert meistens zwischen vier Tagen und einer Woche.
Die leverage ratio ist keine alleinige Aussagezahl fuer die Stabilitaet bzw. Performance einer Bank.
Die leverage ratio ist keine alleinige Aussagezahl fuer die Stabilitaet bzw. Performance einer Bank.
Nein, aber eine wichtige. Denn der Hebeleffekt (”leverage”) sagt aus, daß Fremdkapital zu günstigeren Konditionen erhalten werden kann als in einer Investition an Rendite erzielt werden kann. Daher kann Fremdkapital aufgenommen werden und mehr Eigenkapital wird für Investitionen frei. Aber natürlich unterliegt die Beschaffung von Fremdkapital variablen Zinssätzen. Steigt nun der Fremdkapitalzinssatz über die Kapitalrentabilität (also das was man aus seinem Eigenkapital an Profit rausschlägt), invertiert sich der Hebeleffekt. Das wird dann ganz schnell ganz übel für eine Bank. Im augenblicklichen finanzwirtschaftlichen Umfeld ist der “Hebelquotient” die Kerngröße. Man sollte sich also schön überlegen, ob man die Deutsche Bank mit ihrem hohen LR=50 als besonders stabil bezeichnen möchte.
Moment, das sind zwei verschiedene Dinge: einerseits meine Kritik des ungleichen Vergleichs (dass bisher auch noch keine von den genannten Banken komplett verstaatlicht/gerettet werden musste, spricht fuer meinen Punkt); und ob die Deutsche Bank stabil ist. Du sagst es: es ist nur eine Kernzahl vcn vielen. Da bestaetigen mich die Nachrichten der vergangenen Tage uebrigens auch.
Welche Nachrichten? Daß die Deutsche Bank keine staatlichen Hilfszahlungen will? Wundert mich nicht: Würde man annehmen, könnte der Vorstand seine Gestaltungsfreiheit ja komplett vergessen und seine Gehälter auch.
Aber die Finanzkrise ist noch nicht vorbei. Geht in Europa ja grad erst los.