Grün muß nicht unbedingt was mit Umweltschutz zu tun haben. Oder doch, falls man damit die geistige Umwelt meint? Während in Deutschland noch über die Machbarkeit effektiver Blockade von Kinderpornographie debattiert wird, sind die Chinesen schon wieder einen Schritt weiter. Ab 1. Juli muß jeder in China verkaufte PC mit einer speziellen Zensursoftware ausgestattet werden, die Pornographie und andere „ungesunde Informationen“ im WWW unzugänglich macht. Genannt wird das „der grüne Damm“. Die chinesische Regierung hält also das bereits bestehende Netz aus 30.000 Zensoren und ungezählten IMs zur Formung der öffentlichen Meinung, der großen Firewall, den ohnehin schon zwangsgefilterten Suchmaschinenresultaten von Google, Yahoo und Microsoft für nicht mehr ausreichend. Das läßt tief blicken. Zu viele Leute mißtrauen offenbar der Objektivität staatlich sanktionierter Medien und verlassen sich stattdessen auf Blogs für zuverlässigere Informationen. So erstaunlich effektiv Chinas Firewall also arbeitet: Sie arbeitet den Kommunisten nicht zuverlässig genug.
Indessen scheinen sich jenseits aller moralischen Bedenken technische Probleme aufzutun. Während einige das Militär und den Geheimdienst hinter dem Programm vermuten und es als Trojaner bezeichnen, installierten einige diese Software freiwillig und beschwerten sich später auf der Homepage der Filtersoftware, wie schlecht sie doch sei. Diese negativen Kommentare jedoch wurden alsbald zensiert.
Vielleicht sollten sich aus Solidarität mit freiheitsliebenden Chinesen weltweit alle dieses Programm installieren und das chinesische Zensorat mit sinnlosen Informationen überfluten. Das wäre spaßig.
Ausführlichere Beschreibung: http://www.nytimes.com/2009/06/09/world/asia/09china.html?_r=2&ref=asia


Ein recht lächerlicher Versuch der chinesischen Regierung die Kontrolle über den Informationsfluss zu gewinnen. Seit nun die wahre Absicht des Zensortools durch chinesische Blogs sickert (einige Experten haben im Code Textdateien mit Stichwörtern gefunden, die in China bei den Regierenden Gänsehaut erzeugen), gibt es erste Gegner der Direktive der Regierung, diese schadhafte Software als Zusatzsoftware zu jedem verkauften PC beizulegen.
(http://www.nytimes.com/2009/06/13/world/asia/13china.html?ref=world)
Für technisch versierte, und für diejenigen, die wissen möchten, welche Wörter zu Fehlermeldung seitens des Internetbrowsers in China führen:
http://www.cse.umich.edu/~jhalderm/pub/gd/