Im Spiegel ist Gabor Steingart des Lobes voll für den neuen Außenminister und vergleicht ihn mit dem damaligen frischgebackenen Außenminister Genscher, über den der Spiegel damals notierte:
Mit Genscher kommt eine Figur an die Spitze, die schon seit 20 Jahren in Bonn agiert, von der aber keiner sagen kann, wer er eigentlich ist. Er löst Befürchtungen aus, aber keine Begeisterung. War bisher ein deutscher Provinzpolitiker. Genscher kann weder englisch noch französisch. Er ist ein Politiker ohne Ausstrahlungskraft und Charisma. Hervorgetan hat Genscher sich durch einen unbändigen Aktionismus, Hektik, Betriebsamkeit, Show-Geschäft, eine Arbeitswut und Omni-Präsenz, Alleskönnerei. Genschers Einzug ins Außenministerium sehen seine künftigen Untergebenen mit einiger Beklemmung entgegen. Aber sie rechnen damit, dass der außenpolitische Dilettant ohne den Apparat überhaupt nicht zurande kommen kann.
So kann man sich irren, denn beim Abgang von Genscher 1992:
Als der im Mai 1992 aus eigenen Stücken das Kabinett von Helmut Kohl verließ, war die Trauer in Deutschland groß. Auch der SPIEGEL befand sich unter den Kondolierenden. Rudolf Augstein schrieb: „Nicht der Lotse ging von Bord, wohl aber das Schiff.“

