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Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Die hässlichen Blüten der deutschen Neidgesellschaft:

62 Prozent der befragten Deutschen sind dafür, dass der Fiskus Bankdaten von Steuersündern aus der Schweiz kauft, wie die repräsentative Erhebung des Meinungsforschungsinstituts GfK für die Zeitung „Welt am Sonntag“ ergab.

Quelle: FAZ.net

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Na, wie überraschend, die Katastrophe ist doch abgesagt.

„Pazifikinseln werden trotz Meeresspiegel-Anstieg größer“

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,698594,00.html

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Bahnbrechende Erkenntnis: Gletscherschmelzen sind manchmal schnell und manchmal nicht da. Das berichtet jetzt SPON. Demnach ist die triviale Erkenntnis mal wieder bestätigt worden, daß einfach lineare Fits an komplizierte Kurven um einen beliebigen Punkt zumeist nicht ausreichen, um die Kurve zu rekonstruieren oder Prognosen über den weiteren Verlauf zu machen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,600766,00.html

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In diesem Beitrag falsifizieren wir die These von Papst Benedikt, die er den atheistischen Franzosen unterbreitete, Atheismus sei der Untergang des Abendlandes und Gottlosigkeit erzeuge Fanatismus und Kulturverfall. Die Resultate implizieren, daß es sich nur um eine dreiste Lüge handeln kann.

Auf Gilbert Keith Chesterton, dem Schöpfer des Kriminalistenpastors Pater Brown geht der schöne Sinnspruch zurück

Wenn Menschen aufhören an Gott zu glauben, glauben sie nicht an nichts, sondern an alles mögliche.

Nun war Chesterton selbst ein gläubiger Katholik und demzufolge in dieser Hinsicht nicht objektiv. Auch ist es nicht verwunderlich, daß dieser Spruch oder Derivate davon in allen möglichen Talkshows unter Teilnahme von Bischöfen und mindestens jeder zweiten Papstrede verarbeitet wird. So auch jetzt in Frankreich, wo sich der katholische Oberhirte zu einer recht steilen These herabließ:

Es ist ein Verhängnis, wenn die europäische Kultur von heute Freiheit nur noch als Bindungslosigkeit auffassen könnte und damit unvermeidlich dem Fanatismus und der Willkür in die Hand spielen würde.

Mit Bindungslosigkeit ist natürlich Gottlosigkeit gemeint, die unvermeidlich dazu führt, daß lauter Ungläubige sich von falschen Propheten zu allem möglichen Unfug verleiten lassen. Ganz in dem Sinne von Chesterton, der den Spruch von oben noch etwas weiter trieb.

Das ist die Chance der Propheten – und sie kommen in Scharen.

und die Konsequenz nun wieder nach Benedikt

Bindungslosigkeit und Willkür sind nicht Freiheit, sondern deren Zerstörung. Europa werde eine geistige Niederlage erleiden, wenn es sich davon überzeugen lasse, dass Gott keine Rolle in einem modernen Leben habe.

Was der europäischen Kultur die Grundlage gab – die Suche nach Gott und die Bereitschaft, ihn zu hören – bleibt auch heute die Basis jeder echten Kultur.

Was damit ausgesagt werden soll ist offenbar, daß nur ein gläubiger Mensch ein zivilisierter sei.

Nun, da kann man auch anderer Ansicht sein. Zum einen kann man aber gewiß einige feine Hinweise darauf finden, daß eher die Loslösung von Gott im Sinne der Aufklärung sich in Europa als Katapult nach vorn verdient gemacht hat als das blinde Glauben von widersprüchlichen Psalmen der Bibel. Dann könnte man einmal die Aussage prüfen, ob Gottlosigkeit mit Fanatismus und Kulturlosigkeit einhergeht. Und ob Ungläubige tatsächlich eigentlich an alles glauben.

Eigentlich ist es eine unverschämte Unterstellung: Jeder der sich weigert, zweifelhaften sogenannten heiligen Schriften jeglicher Art ohne Beweise zu glauben, jeder der seinem eigenen Denkvermögen mehr traut als den indizienbefreiten Versicherungen einer sektenartigen Gruppierung zumeist alter Männer, die Realität sei nichts als eine Theaterbühne, die ein Herr im Himmel für uns bereitgestellt habe, jeder der also denkt bevor er glaubt, sei also ein potentieller Totengräber der europäischen Zivilisation, würde Fanatik und Willkür erzeugen und geistig verwahrlosen. Es ist abstoßend, mit welcher Dreistigkeit grober Unsinn als große Einsichten einer Heiligkeit verkauft werden.

Hat der Herr Papst für diesen Blödsinn auch Beweise? Zur These der Zivilisiertheit: Der These von Benedikt und seinen Getreuen zurfolge müßten die USA und der nahe Osten zivilisierter sein als Europa, denn dort existieren mehr Gläubige. Auch müßten die kulturellen Hochburgen der USA im mittleren Westen sein statt an den Küsten. Würde der Papst außerdem sagen, daß Pakistan und Saudi Arabien kulturell mehr zu bieten haben als Frankreich? Wie steht’s, Herr Benedikt?

Zum Stichwort Fanatismus scheint mir erwähnenswert, daß die größte Gefahr weltweit gerade von solchen Leuten auszugehen scheint, die es gründlich verpaßt haben, sich von Kirche und Religion zu lösen. Die Anzahl von Konflikten, die ausschließlich durch Religion begründet sind, ist ja gar nicht überschaubar. Denken wir nur an Irland. An Jugoslawien. An Indien und Pakistan. An Israel. Nirgendwo geht es um irgendetwas anderes als die korrekte oder falsche Auslegung irgendeines Buches. Und wenn es darum nicht wirklich geht, bietet die Religion/Konfession erhebliche Hebel, um Konflikte schön anzuheizen. Religiöse Feuer brennen länger. Das kann man beweisen.

Aber jetzt zum eigentlichen Punkt des Artikels. Die Behauptung ist, daß Menschen, die nicht an Gott glauben, eigentlich an alles glauben. Diese Behauptung scheint recht populär zu sein. Schon Hendry Broder hat sich auf sie gestützt, um zu zeigen, daß der Glaube an den Klimawandel mutmaßlich mit fortschreitender Säkularisierung zu tun habe. Daß Herr Broder von irgendwas überzeugt ist, heißt allerdings noch nicht, daß es wahr ist. Und daher wollen wir den Papst mit diesem Unfug nicht davonkommen lassen!

Kia Aarnio hat in ihrer Dissertation schön gezeigt, daß es eher Gläubige sind, die an alles mögliche Glauben. Diese These wird unterstützt von Rudski

[…] an analysis of the participants‘ own beliefs revealed that those with higher levels of religious belief also tended to be superstitious and believed in the paranormal.

Es scheint also eher so zu sein, daß jemand, der sich daran gewöhnt hat, das zu glauben, was man ihm vorsetzt, auch anderes Zeug glaubt. Das testen wir jetzt mal. Wir gehen davon aus, daß jemand, der sich für eine bestimmte Sache interessiert, sie im Internet nachschlägt. Wir beschränken uns auf Deutschland, wo der Süden religiöser ist als der Norden und Osten. Also sollte sich das in den Suchanfragen widerspiegeln. Das kann man leicht mit google insight überprüfen, wo nett grafisch aufbereitet der Ursprung von Suchanfragen dargestellt wird.

Seelenwanderung
Seelenwanderung
Horoskop
Horoskop
Geisterbeschwörung
Geisterbeschwörung
Homöopathie
Homöopathie

Es sieht so aus als würde generell der religiöse Teil Deutschlands sich für allerlei Hokuspokus begeistern, während Norden und Osten nicht so mitmachen. Seelenwanderung, Horoskop, Geisterbeschwörung und Homöopathie habe ich jetzt mal probiert. Man kann sich auch noch vieles andere probieren.

Wie steht’s mit dem Interesse nach anderen Religionen? Die Erwartung ist, daß sich unchristliche Menschen hierzulande für andere (für den Papst falsche) Lehren interessieren:

Daoismus
Daoismus
Islamismus
Islamismus
Dalai Lama
Dalai Lama

Das scheint also auch nicht der Fall zu sein. Was sind denn dann die Propheten, die in Scharen kommen? Es sind offenbar

Philosophie …

Rousseau
Rousseau
Konstruktivismus
Konstruktivismus
Kategorischer Imperativ
Kategorischer Imperativ
Philosophie
Philosophie

Naturwissenschaft…

Planck
Planck
Enzyme
Enzyme

Technik…

Ottomotor
Ottomotor

und Kunst.

Dadismus

Dadismus

Interessanterweise scheinen religiöse Gegenden gerne nach Sex zu suchen. Ob das der Papst weiß?

Sex

Sex

Religion scheint Depressionen nicht unwahrscheinlicher zu machen.

Depression

Depression

Aber ernster scheint es mit Religion zu werden. Psychiater werden öfter gesucht. Komisch. Dabei hat man doch den Herrn Pfarrer, dem man alles sagen kann!

Psychiater

Psychiater

Das sollten mehr Indizien sein als der Papst bisher vorlegen konnte. Wir fassen zusammen: Der Unglaube an Gott impliziert nicht, daß man an alles glaubt. Ein kurzer Vergleich der Interessengebiete von Bewohnern eher religiöser mit denen von atheistischen Gegenden ergibt, daß letztere sich eher für Philosophie, Naturwissenschaft und Technik interessieren, während religiöse Erziehung den Acker für Übersinnliches und Unbewiesenes aller Art bereitet. Außerdem braucht man häufiger einen Psychiater, was interessante Überlegungen zur geistigen Gesundheit religiöser Menschen erlaubt.

Es ist daher unglaublich, daß ein Leiter des größten Geheimdienstes der Welt ungestraft fortwährend so einen Senf verbreiten darf.

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Nun, da die chinesische Regierung zur Bestürzung ihrer sich in nationalistischem Taumel befindlichen Wähler Anhänger Schäfchen doch mit der „Dalai-Lama-Clique“ verhandeln will, wird sich der aufgewirbelte Staub über die schlimmen Verfehlungen westlicher Medien im Zusammenhang mit der Berichterstattung Tibet wohl auch demnächst legen. Die Zeichen stehen auf Entspannung, wie man bei intensiver Studie der Propaganda freien chinesischen Presse bereits vor etwa 10 Tagen sehen konnte.

Aber ich möchte den geschätzten Lesern doch nicht vorenthalten, wie die Inseln der Qualität in China normalerweise arbeiten. Und wie sich die lieben Milliardenscheffler, das Meer zwischen den Inseln sozusagen, dagegen so schlägt. Ein Ausschnitt aus einem Gespräch, was ich mit einem für die ARD in China tätigen Journalisten hatte:

Let me tell you a story about how ARD in China works:
The editors call the German headquarters reporting what’s going on in China. Those in german pick up topics and assign some important points, which are mostly negative. That’s okay. Then the German editors pass them on to us – the Chinese team. Who go out interviewing people and make the say what the Germans what to hear. Tricks. Then we get back to the office, play back the tapes writing down those quotes on the points. The Germans approve it. Then we cut the quotes from the tape. None of the German team in Beijing can read Chinese. The recruitment is based on the seniority principle.

The German journalists from newspapers are better, like Johnny Erling from „Die Welt“ because their teams are quite small.

Nun, ich halte das durchaus für glaubhaft, auch wenn ich keine Beweise gesehen habe. Wenn aber die famose freie Presse, die unsere Grundversorgung sicherstellen soll, so arbeitet, wundern mich die haarsträubenden handwerkliche Mißgeschicke im Zusammenhang mit China nicht im geringsten.

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… seien die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland,sagte der in Personalunion regierende rheinland-pfälzische Ministerpräsident, SPD-Chef und Verwaltungsratsvorsitzende Kurt Beck. Derlei stimmt mit dem Selbstverständnis der Intendanten überein, wird aber die FAZ eher kritisch gesehen.

Die „Insel“, darf man folgern, sind ARD und ZDF, alle anderen – private Sender, Verlage, Zeitschriften, Zeitungen, Online-Dienste – sind das Meer. Und zwar eines, auf dem allein solche segeln, die lediglich „Milliarden umsetzen“ wollen und sonst gar nichts, wie es bei der ARD zuletzt hieß.

[…]

Mit derlei Kampffloskeln beweisen die Vertreter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur eines: dass sie in der Lage sind, ihr Machtinteresse, das sie fälschlicherweise als Gemeinwohl ausgeben, mit den Mitteln der politischen Kampagne durchzusetzen und die Ziele anderer übel zu beleumunden. Sie bezeugen ein seltsames Verständnis von Presse- und Meinungsfreiheit.

Da klingt etwas Bitterkeit mit. Bitterkeit, die man durchaus nachvollziehen kann, denn der deutsche öffentliche Rundfunk widmet sich schon lange nicht mehr nur dem Rundfunk.

Das Medium der Stunde ist das Internet. Auch dort, so das Selbstverständnis von ARD und ZDF muß es gestattet sein, die Öffentlichkeit ungetrübt von Umsatzgier mit klarster Information zu versorgen. Und mit Unterhaltung. Und Kultur. Und Bildung. Nur dort, wo sie sind, so scheint es, wird der Bürger mit Qualität versorgt.

Daß die FAZ ausgerechnet sich von gar-nicht-so-unabhängigen Intendanten, die auf ihren Pfründen sitzen die die Glucke auf dem Nest, vorwerfen lassen muß, „nur Milliarden scheffeln“ zu wollen, ist der Hohn. In der Tat ist es mit der Umsetzung der hehren Ziele der Anfangszeit nicht mehr weit her. Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde die ARD von den Aliierten als Gegenmodell zum propagandistischen Reichsrundfunk installiert. Eine föderale Struktur sollte sicherstellen, daß keine Regierung mehr die Nachrichtenversorgung behindert oder verwässert oder propagandistisch manipuliert.

Und die Ossis durften gleich mit in den Genuß kommen (ARD – Außer Rügen und Dresden, wie man damals in der DDR witzelte, die „Täler der Ahnungslosen“). Das ging ziemlich lange gut. Aber dann kamen die Privaten und das ritterliche Selbstbild der Öffentlichen verlangt offenbar, daß man jedem Privatangebot mindestens ein eigenes entgegenstellt.

Das alte Vorbild, die BBC, hat der der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk aber monetär schon lange in den Schatten gestellt. Ganze anderthalb Milliarden Euro teurer ist unsere Qualitätsversorgung als die ebenfalls heftig als Krake kritisierte „Alte Tante“.

Ob alles an dieser Qualitätsversorgung aber auch als Qualität liefert, darf wohl bezweifelt werden. Das meiste könnte man wohl zusammenstreichen, ohne daß sich irgendjemand unterversorgt fühlen würde. Das ist meine Meinung, aber andere sehen das ähnlich.

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Die zentrale Frage ist doch, ob die taz eine Zeitung ist oder ein Schmierenblatt. Die meisten werden ohne groß nachzudenken vermutlich äußern, daß sie auf jeden Fall keine Zeitung sei, denn der Informationsgehalt gehe gegen null. Das ist nach einigen Wochen täglicher Lektüre dieses Druckwerks auch mein Eindruck. Aber es gibt Ausnahmen. Nehmen wir dieses Beispiel:

Auf Michael Kiefer bin ich erst heute Mittag bei der Lektüre der gestrigen taz gestoßen. Er wirft darin Hans-Peter Raddatz und Matthias Künzel vor, sie wollten mit ihren neuen Büchern „Allah und die Juden. Die islamische Renaissance des Antisemitismus.“ (Raddatz) und „Islamischer Antisemitismus und deutsche Politik. ‚Die Juden werden brennen, wir werden auf ihren Gräbern tanzen…'“ (Küntzel) undifferenziert Muslime denunzieren. Beide Bücher analysieren die Ursachen des Antisemitismus und probieren die Beantwortung der Frage, inwieweit der Islam selbst ein antisemitisches Fundament bietet. Eine sehr interessante Frage, wie Kiefer zugibt, denn antisemitische Propaganda seien in islamischen Gesellschaften keine Seltenheit. Doch Kiefer wirft Raddatz vor, es ginge ihm nicht um sachliche Analyse, sondern um Kulturkampf. Schlagworte wie „Dialog – der kollektive Betrug“ oder „Djihad – Kampf gegen den Nichtislam – und Dhimma – die Unterdrückung des Juden- und Christentums – sind unverzichtbare Lebensbedingungen, die Sakramente ihres Glaubens“, die Raddatz in seinem Buch gebrauche, seien sichere Anzeichen dafür. Küntzel kommt zwar besser weg, weil er, anders als Raddatz, nicht davon ausgehe, daß die Juden aus theologischen Gründen schon immer die Feinde des Islam waren. Aber Küntzels Alarmismus sei übertrieben, in Teheran sei keinesfalls eine Reinkarnation von Hitler am Werk, von „eliminatorischem Antisemitismus“ könne keine Rede sein, und keineswegs sei es so, daß in Deutschland das Thema totgeschwiegen werde.

Die Kritik dieser beiden Bücher riecht recht stark nach Appeasement, und umso verdächtiger ist, wenn der Kommunist Küntzel deutlich besser wegkommt als der Hardliner Raddatz. Und das ist der nicht gerade als überparteilich bekannten taz. Aber erstaunlich. Raddatz‘ Thesen scheinen nicht nur bei Kiefer in der taz schlecht wegzukommen, auch in der welt wird nicht gerade freundlich über ihn geurteilt. Dort heißt es: „Raddatz Warnung vor der Islamisierung ist Teil einer umfassenderen kulturpessimistischen Zeitdiagnose, die er aus den Versatzstücken konservativer wie linker Verschwörungstheorien zusammengebastelt hat.“

Vielleicht ist Kiefer also doch kein Trottel, wie man aus der Tatsache schließen könnte, daß er in der taz schreibt. In der Tat: Die Scholars for Peace in the Middle East referenzieren ein Interview mit Kiefer, das diesen Schluß nahelegt.

Als Deutscher kann man in islamischen Ländern gelegentlich eine Form der Gastfreundschaft kennen lernen, die bestürzt. Dann nämlich, wenn das Willkommen verbunden ist mit dem Lob des Nationalsozialismus, weil der die Judenvernichtung betrieben hat. Das ist nicht die einzige Form des Antisemitismus, die in islamischen Ländern anzutreffen ist. In Filmen, Büchern, journalistischen Beiträgen wird Judenhass gepredigt – und auch in religiösen Ansprachen. Der Islamwissenschaftler Michael Kiefer hat sich mit diesem Phänomen intensiv befasst.

Das Gespräch im Wortlaut. Einige Auszüge:

Matthay: Ich möchte gerne noch mal zurückgehen, Sie haben die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts angesprochen, den Palästinakonflikt. War es denn so, dass Antisemitismus vorher in der islamischen Welt überhaupt nicht präsent war?

Kiefer: Antisemitismus in dem Sinne wie wir ihn aus Europa kennen sicherlich nicht. Es gab und gibt natürlich im Koran judenfeindliche Passagen, die verweisen auf den Konflikt Mohammeds mit den Juden in Medina, direkt zu Anfang, aber diese Stellen haben in der islamischen Geschichte, also in der islamisch-jüdischen Tradition eigentlich nie eine sehr große Rolle gespielt.

Das scheint Kiefers Generalthese zu sein, die ich im Lichte einiger Koransuren schwer glauben kann.

Matthay: Es gibt Wissenschaftler, die weisen daraufhin, dass manche Suren des Korans antisemitisch ausgelegt werden könnten. Wie weit ist Antisemitismus im Islam begründet? Stimmt das überhaupt?

Kiefer: Es gibt natürlich judenfeindliche Passagen im Koran. Das stimmt. Und von den Islamisten, das muss man auch in aller Deutlichkeit sagen, werden sie auch antisemitisch interpretiert. Sie werden wortwörtlich genommen. Islamisten betreiben, das ist ja ein Kennzeichen ihrer Ideologie eine unmittelbare Koranexegese. In der Vergangenheit war das nicht so, wir haben in der Tat eine ausgewogene, exegetische Tradition, die abgewogen hat, die andere Stellen mit hinzugenommen hat, aber es war Kennzeichen der modernen islamistischen Ideologie, dass diese Dinge unmittelbar genommen werden, wortwörtlich, wie sie dort stehen und dann kann man in der Tat auch Judenfeindschaft darauf begründen. Das geht.

Aber es hat nie eine Rolle gespielt, bis die Europäer die richtige Ideologie geliefert haben? Schwer zu glauben.

1948 war es so, dass die Verwunderung darüber, dass die arabischen Armeen gescheitert sind sehr groß war. Man muss sich das damalige Judenbild noch einmal vorstellen, das in den arabischen Gesellschaften kursierte. Juden galten als schwach, ängstlich, als unterlegen. Nun auf einmal waren sie als Militärmacht präsent und gewannen gegen Muslime. Das war etwas, das nach einer Erklärung verlangte und der Antisemitismus bot mit seinen absurden Verschwörungsphantasien, die ja bis zur Weltverschwörung hinreichen, ein perfektes Erklärungsmuster für die Niederlage. Das ist auch ein Ding, was wir in all den Jahren immer wieder finden – das Vorhandensein Israels, das Bestehenkönnen Israels, trotz all der Kriege, die mittlerweile stattgefunden haben, wird auf eine weltweite jüdische Konspiration zurückgeführt. Man geht immer davon aus, dass dieser Staat nicht ein einfacher, normaler Staat ist, sondern Teil einer jüdisch-amerikanischen Verschwörung ist.

Hört sich plausibel an.

Israel wird, wenn man so will, als eine Zwischenetappe auf dem Weg zur jüdischen Weltherrschaft dargestellt.

Der Antisemitismus bezieht sich ja nicht nur auf Israel, sondern er ist sozusagen ja ein zentrales Moment der Weltdeutung geworden. Man erklärt ja damit auch andere Dinge. Man kann es ja nachlesen in den Schriften der Hisbollah, die Juden werden ja auch für AIDS verantwortlich gemacht, oder für andere Dinge, für moralische Dekadenz. Man lastet ihnen unheimlich viel an. Es geht nicht nur um den Staat Israel, sondern im Grunde genommen wird alles, was als ungünstig, als anti-islamisch wahrgenommen wird, wird einer Verschwörung zugeschoben. […]

Man kann, ohne sich viel Gedanken zu machen, für dieses und jenes einen Schuldigen finden, und man lenkt natürlich auch davon ab, was die eigenen Regierungen tun. Selbstverständlich ist es so, dass die ökonomischen Miseren, die wir im Nahen Osten oder in Nordafrika zu beklagen haben, eigene muslimische Regierungen in einem erheblichen Maße zu verantworten haben und wenn man immer nach Palästina schaut und diesen Konflikt fokussiert, dann spricht man sich auch frei von jeglicher Verantwortung für das, wie es im eigenen Land läuft. Klar, das kann man schon sagen.

Ich glaube, der Herr macht sich doch nicht so viele Illusionen, wie ich nach Lektüre besagten taz-Artikels dachte.

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